„Geschichten öffnen Welten – gemeinsames Lesen macht stark!“, ein Leseprojekt für Flüchtlingskinder aus Afghanistan

Projektbeschreibung

 

Seit 2017 setzt Yaar e.V. das kreative Leseprojekt „Geschichten öffnen Welten – gemeinsames Lesen macht stark!“ in drei Unterkünften für Geflüchtete um. Sechs Lesetrainer*innen, die selbst Flucht erlebt haben, leiten diese an. Die Lehrmaterialien werden in persischer und deutscher Sprache bereitgestellt, die Veranstaltungen sind zweisprachig. Zielgruppe sind afghanische Kinder zwischen vier und zwölf Jahren, die in Unterkünften für Geflüchtete in Berlin leben. Aufgrund der prekären Sicherheitslage in Afghanistan hatten viele Kinder wenig oder gar keinen Zugang zu Bildung, besonders zu dem Medium Buch. Auch in der Zeit der Flucht (zu der oftmals jahrelange Aufenthalte im Iran oder in Pakistan gehören) können viele Kinder nicht regelmäßig eine Schule oder vergleichbare Einrichtungen besuchen. Dadurch haben sie überwiegend eine geringe Lesefähigkeit.

 

Die langjährigen Aufenthalte im Ausland, auch der in Deutschland, führen zu einem Verlust der muttersprachlichen Kenntnisse nur mit der Familie ihre Muttersprache und haben so gut wie gar keinen Zugang zur Schriftsprache ihrer Eltern. Kinderbücher in Dari/Farsi werden auf Fluchten nicht mitgenommen, und auch in Deutschland haben die Familien keinen Zugang zu afghanischen Kinderbüchern, da sie erstens nicht wissen, wo sie diese in Deutschland erwerben können und zweitens ihnen die finanziellen Mittel fehlen. Die Kinder haben also ein erhebliches Defizit an erlebter Schulzeit, drohen Fähigkeiten in der Nutzung ihrer Muttersprachen zu verlieren und müssen die kulturellen und sprachlichen Gegebenheiten Deutschlands verstehen und erlernen.

 

Durch dieses Projekt versucht YAAR e.V., eine Affinität zum Medium Buch zu fördern. Das Projekt soll die Kinder dazu animieren, Bücher zu lesen, darüber Wissen zu akkumulieren und dieses wiederzugeben.Lesen ist ein Schlüssel für erfolgreiche Bildung und durch die in den Büchern verwendeten Themen werden gesellschaftliche und soziale Werte vermittelt. Es werden nur Bücher ausgewählt, die die Kinder dazu befähigen sollen, das eigene Denken und Nachdenken anzuregen.

 

Die zweite Zielgruppe sind erwachsene Geflüchtete aus Afghanistan in Berlin. Sie werden in Workshops zu sogenannten Lesetrainer*innen ausgebildet. Sie gehen in die Unterkünfte in Berlin und führen die Leseaktivitäten durch. Die Erwachsenen, die in Berlin als Geflüchtete leben, haben keine geregelte Beschäftigung. Durch YAAR e.V. und dieses Projekt erhalten Sie eine relevante Beschäftigung in Berlin und erwerben sinnvolle pädagogische Kompetenzen. Sie erlernen Vorlesetechniken und die kindgerechte Vermittlung von Inhalten.

 

 

Workshop für Lesertrainer*innen

 

In zwei Workshops zum Thema Vorlesen hat unsere Referentin Gabriele Hohm die künftigen Lesetrainer*innen methodisch dazu befähigt, eigenständig mittels übersetzter Kinderbücher zu arbeiten. Der erste Workshop für Lesetrainer*innen fand am 19. und am 20. August 2017 in Berlin statt.

Die meisten der afghanischstämmigen Kinder, die in Unterkünften Berlins leben, haben erhebliche Defizite, weil sie in ihrem bisherigen Leben oft keinen geregelten Schulalltag hatten. YAAR e.V. bietet Hilfe zur Selbsthilfe. Viele der erwachsenen Geflüchteten können keiner geregelten Beschäftigung nachgehen, weil es ihr Status nicht zulässt. Für sie veranstaltet YAAR e.V. Workshops, in denen einige von ihnen zu Vorleser*innen ausgebildet werden.

Während der Workshops werden einige deutschsprachige oder international bekannte Kinderbücher vorgestellt. Zudem werden den Lesetrainer*innen spielerische und kreative Methoden vermittelt, die sie später mit Kinder- und Jugendgruppen leicht selbst durchführen können. Hierfür sind verschiedene Workshop-Bausteine vorgesehen, die didaktisch aufeinander aufbauen. Dabei werden die Methoden auf die Bedürfnisse und die Infrastruktur der Flüchtlingsunterkünfte angepasst. Beispiele für diese Kreativmethoden in Vorlesestunden sind:  das Kinderbuch in Dialogform umschreiben und mit selbst gebastelten Stockpuppen aufführen; aus einfachen Kartons ein „Theater in the Box" schaffen und die Buchgeschichte darin nachspielen; eigene, einfache Memorys herstellen; Schreib- und Ratespiele entwickeln.

Im Workshop wird eine intensive Auseinandersetzung mit den angedachten Kinderbüchern angeregt und methodisches Wissen zur konkreten Umsetzung in den Flüchtlingsunterkünften vermittelt. Im Anschluss an den Workshop folgt die praktische Durchführung von regelmäßigen Vorlesestunden in den Flüchtlingsunterkünften.

 

Dieses Projekt wird gefördert vom Centrum für internationale Migration und Entwicklung (CIM).

 

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